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10 Strategien, um Entscheidungen in Organisationen zu beeinflussen!

Durch Kommunikation und Selbstreflexion Entscheidungen beeinflussen

Wie Sie Entscheidungen in Organisationen und Gremien zielführend mitgestalten können und was Kommunikation und (Selbst-) Reflexion damit zu tun haben

Entscheidungen werden im Unternehmen nicht von einzelnen Entscheidern allein getroffen – auch wenn es im hierarchischen Kontext manchmal so aussehen mag. Ich habe mir häufig die Frage gestellt, wie man am besten auf den Entscheidungsprozess einer Gruppe Einfluss nehmen und trotz einer komplexen Sachlage eine (gute) Entscheidung herbeiführen oder die Entscheidungsfindung zumindest beeinflussen kann. Dabei wurde schnell deutlich, dass die Entscheidungen und Handlungen einer Organisation weder von außen noch von innen durch ihre Mitglieder gänzlich steuerbar sind.

Die Geschichte einer Organisation bzw. eines Gremiums bestimmt maßgeblich mit, wie die Mitglieder auf neue Führungskräfte und auf Veränderungen im Allgemeinen reagieren. Genauso hat die aktuelle Dynamik – beispielsweise die Be-/Abberufung eines CEO – großen Einfluss auf die Machtverhältnisse im Inneren. Möchte ein neues Gremienmitglied gezielten Einfluss auf anstehende Entscheidungen nehmen, so sollte es die Denkweise und das individuelle Verständnis des relevanten Entscheidungsträgers (CEO, Geschäftsführer etc.) bzw. der Gruppe (Top-Management, Steuerungskreis etc.) durch beobachtbares Verhalten studieren: Wie gehen die Entscheidungsträger bzw. die Gruppe beispielsweise mit Abweichungen vom geplanten Ergebnis um? Werden Störfaktoren ignoriert, in den Entscheidungsprozess integriert oder abgelehnt? Welche (individuellen) Interessen und Leitlinien bestimmen die Handlungsweise der Entscheidungsträger? Und wie steht es insbesondere um ihre Beziehungen untereinander und zu den relevanten Stakeholdern?

10 Tipps, um Entscheidungen in Organisationen zu beeinflussen

1) Vorbereitung ist die halbe Miete

Spezifizieren Sie Ihre zu entscheidende Frage, denn die zur Entscheidung erforderliche Information sollte gut nachvollziehbar und leicht verständlich sein. Je nachdem, wie diese (Entscheidungs-) Frage formuliert und gestellt ist, wird die Antwort ausfallen!

2) Die Macht der Hierarchie

Definieren Sie Kommunikationswege und den Umfang der Partizipation durch hierarchische Strukturen. Denn wer als Entscheider behandelt wird, der entscheidet. Durch die Steuerung der Beteiligung an Entscheidungsprozessen kann man eine Art Rahmensicherheit für die sachliche Qualität und soziale Akzeptanz von Entscheidungen schaffen.

3) Nicht was gesagt wird ist entscheidend, sondern die Reaktion darauf

Beobachten Sie die Reaktion des Gegenübers auf das eigene Kommunikations- bzw. Interaktionsverhalten genau, denn so können Sie wahrnehmen, ob die von Ihnen vorgebrachten Argumente und eingeführten Unterschiede zu einer angemessenen Problemsicht und Situationseinschätzung beitragen.

4) Die Kunst des Gestaltens und der Blick in den Spiegel

Reflektieren Sie ihre eigene Rolle im sozialen Geschehen, um sich kritisch zu hinterfragen. Denn derjenige, der eine Entscheidung herbeizuführen sucht, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er selbst in die Prozesse und Strukturen eingebunden ist, die er zu gestalten versucht. Man kann diesen

Prozess mit folgender ‚Formel‘ nach H. Willke beschreiben: (Selbst-) Beobachtung; (Selbst-) Reflexion; Selbst- (Verstehen); Handeln. Gerade neuen Organisationsmitgliedern eröffnen sich manchmal Erkenntnisse und Handlungsspielräume, die bislang unausgesprochen oder verborgen blieben.

5) Der Mythos alternativer Fakten

Die kreative (Um-) Deutung verschiedener Ansichten kann zu einem Einigungs- und in Folge Entscheidungsprozess führen. Die (jeweilige) Realität der am Entscheidungsprozess Beteiligten sollte gezielt als Informationsgrundlage für neue Handlungsoptionen in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Hilfreich ist an dieser Stelle die Frage danach, wie man den Sachverhalt in anderer Weise deuten könnte – vielleicht macht genau das den Unterschied aus, der dann zu einer Einigung oder zu einem Kompromiss führt.

6) Auch Führungskräften können an sich arbeiten

An der eigenen ‚Entscheidungskompetenz‘ oder der einer Gruppe/Organisation kann man arbeiten. Versteht man Führung (Entscheiden ist ein essentieller Teil der Führung) als Befähigung eines Systems zur Selbststeuerung, dann ist die Bereitstellung von Selbstreflexionsmöglichkeiten essentiell. Zeit- und Handlungsdruck sollte reduziert werden, denn dadurch können gedankliche Freiräume entstehen, die eine Beschreibung und begründete Auswahl anderer (Entscheidungs-) Optionen eröffnen.

7) Die Macht der Kooperation

Situativ erforderliche oder sinnvolle Kooperationsbeziehungen sollten – eigeninitiativ – hergestellt werden, um sich im entscheidungsrelevanten System gut zu vernetzen. Die Wahl der ‚Vernetzungsart’ ist für eine gelingende Kooperationsbeziehung ausschlaggebend. Gehen Sie deshalb auf andere Organisations- und Gremienmitglieder zu und versuchen Sie, die Kommunikationssituation in geeigneter Weise zu gestalten.

8) Das Wissen um die Eigenheiten und die Fallstricke der Bürokratie

Dem Bürokraten geht es darum, sicheres Verhalten als begründbare Entscheidung darzustellen. Er möchte nach seiner Entscheidung als jemand angesehen werden, der die Sachlage im Vorfeld durchschaute. Trotzdem versucht der Bürokrat, eintretende Erfolge für sich selbst zu verbuchen und Misserfolge anderen zuzuschreiben. Wenn Sie eine (schnelle) Entscheidung herbeiführen möchten, achten Sie darauf, dass Entscheidungen nicht in nachgelagerte Entscheidungen zerlegt werden und dass nicht mehr Stellen in den Entscheidungsprozess eingebunden werden als unbedingt erforderlich.

9) Ganz ohne ToDo’s geht es nicht

In der Praxis sind Termine und Fristen sehr hilfreich, um ausufernde Entscheidungsprozesse zeitlich einzudämmen. Manchmal ist ‚quick and dirty‘ tatsächlich zielführender als ein Aufschieben der Entscheidung. Trotz aller damit verbundenen Vorbereitungsarbeit kann es Spaß machen, seine eigene Handlungsfähigkeit bei der Entscheidungsfindung auszuprobieren und dabei stets etwas über sich selbst, die Organisation und das Gremium und seine Mitglieder zu lernen.

10) Sag mir, woher Du kommst und ich sage Dir, wer Du bist

Wir alle sind das Produkt unserer beruflichen Sozialisierung. Managementsysteme, die wir selbst kennen gelernt haben, entscheiden mit darüber, wie wir uns in Entscheidungsprozessen verhalten. Jede Führungskraft sollte sich vor anstehenden Entscheidungsprozessen mit der Vita relevanter Gremienmitglieder beschäftigen. Dies kann dazu beitragen, Entscheidungsreaktionen zu antizipieren und mögliche Hemmnisse (Ängste) abzubauen.

#gemeinsam #nachoben

Gastbeitrag von Elisabeth Ebert

Bereichsleitung Entsorgungsprojekte / Prokuristin GNS Gesellschaft für Nuklear-Service mbH

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